Ein Roadtrip der etwas anderen Art: iPhoneart Ausstellung in Venarey-Les-Laumes

iPhone Art Tower by randallmcmurphy

Text von Matthias Reinecke und Fotos von Alessandro Tortora, Venarey-Les-Laumes

Die Mediatheque intercommunal Henri Vincenot der französischen Kleinstadt Venarey-Les-Laumes zeigt zwischen dem 04.06. und dem 25.06.2011 internationale iPhoneart. Thema der Ausstellung ist „das Flüchtige/das Vergängliche“.

Nachdem diese Nachricht vor einigen Wochen über das Forum iphoneart.com und flickr.com verbreitet wurde, zusammen mit einer Aufforderung zum Einsenden von Beiträgen, wurden über 180 Bilder ausgewählt. Da auch fünf Exponate aus meinem Fundus  darunter sind, war klar, dass ich zum Ausstellungseröffnungsbeginn nach Venarey fahren würde.

Ausgerüstet mit genügend Getränken, Obst und Stullen breche ich am Morgen des 04.06. gegen 05:00 Uhr auf. In Mannheim steigt mein Kumpel Alessandro ein. Vor uns liegen ca. 550km Autobahnasphalt.

Wir passieren Freiburg, dann Mulhouse und orientieren uns Richtung Dijon. Bei Dole biegen wir auf die Bundesstraße ab und sehen erstmalig unseren Zielort auf den Straßenschildern. Da die Sonne mittlerweile fast unerträglich herniederbrennt kommen wir völlig verschwitzt gegen 11:30Uhr in Venarey an.

Um 11:40 Uhr betreten wir die Mediatheque und fragen nach den Räumen der Ausstellung. Eine freundliche Französin teilt uns lächelnd mit, dass die Ausstellung leider erst am folgenden Dienstag eröffnen wird, da Jean-Francois, der Organisator, gesundheitlich angeschlagen sei. Eröffnung erst am 07.06. denke ich, habe ich da gerade richtig gehört?

Ich frage erneut nach, doch die Antwort bleibt die selbe. Ich verweise auf die Internetpräsenz der angekündigten Ausstellung und bringe etwas verärgert hervor, dass wir mal eben knapp 600 km Strecke hinter und haben. Das Lächeln der Dame erstirbt, Bestürzung macht sich breit. Es folgen tausend Entschuldigungen und schließlich werden Telefonate geführt. Wir erfahren, dass Jean-Francois einen Hexenschuss erlitten hat und die Vorbereitungen deswegen im Verzug seien. Schließlich kann ich ihn direkt sprechen und erläutere kurz die Lage. Er gesteht ein, schlicht nicht daran gedacht zu haben, dass eventuell Menschen von weiter her zur Eröffnung der ersten Ausstellung Frankreichs dieser Art kommen könnten.

Ich versuche beherrscht zu bleiben und meinen Ärger und meine Enttäuschung nicht durchklingen zu lassen. Man, da organisiert jemand die allererste Ausstellung zum Thema „Mobile Art“ in seinem Land, kündigt diese auf der größten internationalen Plattform zum Thema iPhoneart an, und vergisst einfach mal so mitzuteilen, wenn sich der Start verschiebt? Ist das professionell? Doch Jean Francois macht uns ein Angebot. Wir könnten ja kurz in den Nachbarort Minetreaux le Pitais kommen, in sein Haus und einen Blick auf die Exponate werfen, die bereits fertig wären. Alessandro und ich beraten uns kurz, und willigen ein. Am liebsten wäre ich gleich wieder nach Hause gefahren, doch mit leeren Händen dastehen möchte ich selbstverständlich nicht. Also ab ins Auto und über staubige Straßen zu Jean-Francois.

iphoneArt Matthias und Jean-Francois

Und dann stehen wir da, im Wohnzimmer von Jean-Francois, lernen seine Tochter und seine Frau kennen und schließlich auch die Exponate. Wir erfahren, dass acht Juroren die Bilder ausgesucht haben. Zwanzig Exponate werden im Format 30cmx40cm ausgestellt, der Rest in 10cmx15cm. Der Anblick der bereits arrangierten Exponate besänftigt mich.

Matthias bei Jean-Francois

Was Alessandro und ich hier erleben dürfen, ist exklusiver Art. So wie wir, wird kein anderer die Werke konsumieren können. Und Jean-Francois scheint sich trotz allem wie ein König zu freuen. Da kommt ein verrückter Deutscher mit einem Italiener im Gepäck in die französische Provinz, zu einer Ausstellung, die er organisieren wird, und die noch gar nicht stattgefunden hat. Wir unterhalten uns ein bisschen, ich darf die noch nicht arrangierten Bilder durchsehen, Alessandro knipst ein paar Fotos, dann brechen wir auf. Die Uhr teilt uns mit, dass es 12:30Uhr ist. Abermals liegen 550km Strecke vor uns.

Auf der Rückfahrt geht mir so manches durch den Kopf. Hat sich die Tour gelohnt? War es das wert? Hätte ich vorher anrufen sollen? Was teile ich den Mitgliedern auf iphoneart.com mit, die alle auf einen Bericht und Fotos warten? Bin ich ein Nerd? Alessandro zeigt sich sichtlich amüsiert von unserer Tour und ich beschließe mich dieser inneren Haltung anzuschließen. Am Ende überwiegt die Gewissheit, dass wir einen Tagestrip durch eine der schönsten Gegenden Frankreichs unternommen haben, Burgund.

Die Ausstellungsstücke zu Hause bei Jean-Francois

P.S.: Am darauffolgenden Vormittag erreicht mich folgende Nachricht von Jean-Francois:  Thanks again for coming yesterday, it was a blast seeing you in person!!! I can’t believe I forgot to offer you both a drink (the stress I suppose) … anyway, I hope you enjoyed your trip to Burgundy. The „work in progress“ is nearly finished now. Best, JF

Mehr fotografische Werke von Alessandro Tortora könnt ihr hier sehen:  Alessandro Tortora auf Flickr

1 Kommentar zu Ein Roadtrip der etwas anderen Art: iPhoneart Ausstellung in Venarey-Les-Laumes

  1. Hi Matthias! Ich finde deinen Bericht klasse. Ich habe mich bei dem Fahren doch amüsiert, aber hätte gern auch eine richtige Fotoaustellung erleben könnten. Aber das Schicksal hat für uns etwas andere arrangiert….Bonjour Messieur, excusez-moi, je cherche la Rue….

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