Timeline 2011: Das Ende ist mein Anfang

Von Yavi, auf Wolke Sieben

mein kühlschrank dokumentiert, wer mich begleitet.

2011 war das phantastischste, spannendste und schönste Jahr, das ich jemals hatte. Außerdem das härteste und voller trauriger Erfahrungen. Mein Leben war noch nie monoton und einfach, aber was mein kleiner Körper in den vergangenen 12 Monaten stemmen musste, geht auf keine Kuh-Haut. Aber ich versuchs zumindest in diesen einen Post zu quetschen und sage nur so viel: Je härter, desto besser.

 

Müsste ich alles aufführen, was mir in diesem Jahr widerfahren ist, den Atem geraubt oder den Kopf verdreht hat, könnte ich gleich eine Selbsthilfegruppe aufmachen, einen Reanimierungskurs anbieten oder ein autobiographisches Buch schreiben. Deshalb beschränke ich mich auf die gröbsten Eckdaten, bestücke den Post zusätzlich mit meinen Facebook-Statusmeldungen, meiner Wishlist für 2012 und den Songs, die in diesem Jahr einen besonderen Stellenwert hatten, mich mit außergewöhnliche Menschen verbinden und Erinnerungen tragen.


 

Januar


- Ungefähr 928 Parties, die beste: Marions Geburtstagsfete.

- Fashion Week Berlin, wenig Schlaf, viel Action. Unrath&Strano liefert beste Runway Show mit bester Kollektion ab.

Februar

- Hamburg (inklusive dicker menschlicher Enttäuschung, die aber nötig war)

- Mit der süßen Lisa in Lille, Frankreich

- Der Tod eines Freundes.

- Sachen packen: China is calling

- Viele schöne Stunden mit vielen tollen Freunden genießen. Intensiver, denn je.

März

- Zu Besuch bei Freunden, Familie und Designern in Wien. Cousinchen noch stärker ins Herz geschlossen, viel Schokolade gegessen.

- cococucina WIRd geboren

- Abschied am Flughafen Düsseldorf. Mammuttränen.

- Mit dem A380 nach Beijing.Unterricht beginnt einen Tag später. 15 faule Studenten.  Neue Freunden. Paul Kalkbrenner im Tango.

- Meine China Kolumne startet bei styleranking

- eine deutsche Bäckerei gefunden. Mehrkornbrötchen und Laugenstange gegessen.

 

April

- Beijing ist eine zweite Heimat geworfen. Studenten sind nicht mehr so faul und können 4 deutsche Wörter aneinander reihen. Neue Freunde sind toller, als jemals für möglich gehalten. Die Parties besser als während meiner turbulenten Exzesse in der Pubertät.

- Meine China-Kolumne bei Daily Obessions startet.

- Ganze Küken am Spieß gegessen. Ab sofort brauche ich keine deutsche Bäckerei mehr.

- Reitausflug mit den Studenten. Unvergesslich.

Mai

Highspeed-Roadtrip nach Shanxi mit Daniel und Lee. Im Bordell übernachtet. Selten so gelacht.

- Die Geburt meines Neffen und schönsten Kindes der Welt von der schönsten Mutter weit und breit.

- Ich werde zensiert und überwacht und muss aufpassen, was ich sage und schreibe.

- Trip nach Seoul, Korea. Freundlichste Stadt Asiens. Liebesbekenntnisse.

- Erstes Mal Peking-Ente. Überbewertet.

Juni

- Wellness, Party, Kater. Und wieder von vorne.

- Ausflug nach Tajuan. War leider nix.

- Hab ich schon Partys erwähnt?

- Unfall Nummer 1.

- Der schönste Tag des Jahres: Alle im Ritan-Park. Alex hat gefehlt.

- Man nennt mich Troll.

- Semesterende – fast alle meiner Studis bestehen die Prüfung


Juli

- Die besten Partys. Überraschung.

- Shanghai-Trip mit der Creme-de-la-Creme meiner Peking-Clique.

- 25. Geburtstag in Shanghai. Feststellungen: immer noch kerlfrei, kinderlos und kindisch.

- China-Rundreise mit tollen Mädels: Hangzhou, Guilin, Yansghuo, Shenzhen, Hong Kong, Macao

- Krassestes Erlebnis: 20 Stunden mit einem Bummelzug durch China – im Stehen.

- Mit zwei guten Freunden auf Borneo, Malaysia, unterwegs: Dschungel, Tauchen, Chillen. Perfekt.

- Abschließend: Shoppingtrip nach Kuala Lumpur.

- Mit Übergepäck zurück nach Peking.

August

- Last Days in Beijing – und der Abschied von wundervollen Freunden aus dem besten halben Jahr meines Lebens.

- Home (bitter-) sweet home, Home-coming-Party, Home ist zu fremd, um anzukommen. Ich fühle mich fehl am Platz.

- Unfall Nummer 2

- Fernweh ist schmerzvoller.

September

- Zu Gast bei Einundzwanzig.TV

- Berlin, wundervolles Beijing-Revival + Super-Sarah.

- Warschau, wundervolles Familien-Revival

- Beijing, endlich.

- Auf den Philippinen. Die erste Erfahrung mit einem tödlichen Taifun. Ansonsten wunderbare Zeit.

-  Ab sofort bei Handelsblatt Online am Start.

Oktober

- Tokyo, Japan - dauerhafte Schädigung der Augen durch Lichter-Overload und Grusel-Gestalten. Geile Stadt.

- Zurück nach Beijing. Der schmerzhafte Beginn einer unausweichlichen Abschiedszeremonie.

- Krise: Zurück in Deutschland, um zu bleiben. Neuanfang.

- Glück: Marion immer noch an meiner Seite.

- Erfolg: Eigene Artikeserie beim Handelsblatt: 12 Stunden in…

November

- Sport-Verbot

- Unfall Nummer 3


- Der endgültige Verlust einer der wichtigsten Personen in meinem Leben.

- 3 Tage Krakau

- Op-Vorbereitung, Op-Durchführung, Op schief gelaufen. Fortsetzung im Januar 2012.

- Jetzt erst recht kein Sport.

- Das zweite Mal zu Gast bei Einundzwanzig.TV.

- Offizielle Single-Bekenntnisse, inspiriert durch einen außergewöhnlichen Blogger und unser kleines Briefe-Battle.

Dezember

- Immer noch kein Sport.

- Blogger gegen Aids – ich verkaufe meine Sachen für einen guten Zweck. Fazit: enttäuschende Teilnahme. Ich mag keine Menschen.

- Einen mordverdächtigen Psychopathen auf seiner Flucht begegnet. Überlebt.

- Krankheiten, Medikamente, Bett und ich. Ganz oft.

- Facebook-Timeline  aktiviert. Erinnert mich an all die Polizei-Kontrollen, bei denen ich nicht mehr gerade auf dem Streifen laufen konnte. Außerdem hab ich plötzlich einen Ohrwurm: Born to die.

- Weihnachten ist der Yavi ihr Tod. Glücklicherweise 11 Monate Pause (Adventszeit abgezogen). Schön wars irgendwie trotzdem.

- Und letztlich die lang ersehnte Begegnung mit einem ganz besonderen Menschen, der mir sehr viel bedeutet. Der Kreis hat sich rechtzeitig geschlossen und ich bin nun bereit, einen neuen zu zeichnen.

 

Zeit für gute Vorsätze. Ich hatte mir schon früh ein paar Gedanken gemacht:

Und nun zu dem philosophischen Part. Wir neigen dazu, während schwieriger Lebensphasen die guten zu vergessen. Das Risiko: ein tiefes, schwarzes Loch, aus dem man vor lauter Selbstmitleid gar nicht mehr heraus kommt. Vielleicht sollten wir öfter Jahresrückblicke aufstellen, um zu sehen, dass das Leben gar nicht so schlecht ist. (Zuckerberg hatte das bei der Timeline sicherlich auch im Hinterstübchen). Wenn ich zurückschaue und die schlechten Monate den guten gegenüberstelle, weiß ich, dass ich mehr gewonnen, als verloren habe.

Jemand sagte vor wenigen Tagen zu mir: “Stelle den Verlust eines Menschen nicht mit dem Gewinn eines neuen gegenüber. Ein ‘Ja’ ist stärker gewichtet als ein ‘Nein’. Also trauer den Menschen, die dich verlassen, nicht hinterher, sondern schätze die, die bleiben.” Das erinnerte mich daran, das Leben mit seinen Herausforderungen zu akzeptieren und zu genießen. Dabei bin ich für die vielen Möglichkeiten, meine Träume zu verwirklichen, unendlich dankbar und weiß, dass sie ohne die Unterstützung vieler Menschen nicht möglich gewesen wären. Dennoch solltest du immer wissen: es lieg an dir, Chancen zu nutzen und die Möglichkeiten in Taten umzusetzen – You are the architect of your life.

 

 

Die wichtigste und nachhaltigste Erkenntnis, die ich aus diesem Jahr für mich ziehe, ist: Das Ende ist mein Anfang. Ich mache Erfahrungen und mache sie danach zu Erinnerungen. Ich halte nicht mehr an ihnen fest, sondern verewige sie in meiner eigenen Offline-Timeline, in der ich immer wieder dankbar blättern kann. Sie zeigt auch viele bedeutende Menschen, die aber kommen und gehen. That’s life. Schließt sich eine Tür, öffne ich bald eine neue. Wieoft Enttäuschungen, Trauer oder Schmerz und Glück, Freude und Hoffnung eng zusammenliegen, habe ich dieses Jahr besonders in drei Momenten gespürt, als zwei neue Menschen exakt dann in mein Leben traten, als sich gerade zwei verabschiedeten und als ich mich von jemandem verabschiede, der vor langer Zeit in mein Leben trat und ungewollt blieb.

 

Ich habe erstmals viel reflektiert, gelernt zu leben und zu lieben, über mich zu sprechen und Antworten anzuhören, Fehler zuzugeben und an ihnen zu arbeiten. Ich habe bei Rückschlägen gewaltfrei zurückgeschlagen und bin vor beängstigenden Situationen nicht mehr weggelaufen, ich bin immer stärk geworden und gewachsen (nein, leider immer noch nicht körperlich), habe meine Horizonte erweitert und Mut entwickelt, herausgefunden, was ich will, wer ich bin, wo ich stehe. Go and try to tear me down, I’ll be rising from the ground – like a skyscraper. Denn ich habe mich gefunden.

 

Meine Wishlist

 

Das Jahr 2011? Ein Prozess der Selbstfindung – mit erfolgreichem Ende. Was in 2012 passieren wird? Das hätte auch Paul das Kraken Orakel nicht gewusst und auch ich versuche mich nicht in der Jesus-Rolle. Aber wisst ihr was? Ich will’s gar nicht wissen. Easy come, easy go. Ich habe keine Angst, sondern Lust. Und wie heißt es so schön? Du kannst mit jemandem erst dann glücklich sein, wenn du es auch nur mit dir selbst bist. Ich habe es geschafft. Jetzt kann das Ende kommen – ich bin bereit für einen Anfang.

 

 

Oh, Dankesrede fast vergessen. Ich danke ganz besonders den Menschen, die mir nicht von der Seite gewichen sind, auch wenn ich mich entfernt habe. Die mich auffingen, obwohl ich manchmal ohne Flügen sprang. Und die immer da waren, auch wenn ich sie nicht gesehen habe. Namen muss ich nicht nennen, wir wissen, wer gemeint ist, und wer nicht.



3 Kommentare

  1. [...] ich mich heute Nacht nicht aus Verzweiflung an einen arabischen Harem verkaufen, versuche ich morgen Yavis beispiellos gute Timeline zu kopieren. Schließen wir das Blogjahr vorerst mit einem weiteren Satz der Namensgeberin dieses [...]

  2. Coquette wrote:

    Yavi, ein toller Jahresrückblick mit einem ermutigenden Resümee! Der Sport-Entzug wäre für mich ja keine Strafe gewesen, der Schoko-Verzicht auf deiner Wishlist dafür umso mehr!!

    Ich wünsche Dir- selbst wenn kaum noch möglich- ein noch viel tolleres Jahr 2012- und wenn du die YSL-Wedges hast, sag’ mir bitte Bescheid ;-)

    @Brad: Der Traum könnte auch real sein! Obwohl, du hättest wohl eher Nudeln mit Zwiebeln angebraten…

  3. Brad Shaw wrote:

    wow, echt toll gemacht. ich wollte auch einen rückblick mit timeline schreiben. dann bin ich bei bridget jones eingeschlafen. aber: ich habe von dir geträumt. ohne scheiß. wir wollten was kochen, aber in meinem kühlschrank war alles verschimmelt. also haben wir eine pizza bestellt.

    egal was ich heute noch online kriege – jetzt wird es wie eine billige kopie deiner timeline aussehen. deshalb vorsatz für 2012: wir müssen mal nen kaffee trinken, oder meinetwegen pizza essen. nur nix kochen. und dann inspirierst du mich nohmal. ich schaue jetzt mal nen meiner timeline.

    viele grüße, alles gute und komm gut rein.

    “brad” aka maryanto