Our house in the middle of the street

Das Haus meiner Kindheit, meiner Eltern und Großeltern

Es ist das Haus meiner Großeltern. Es ist das Haus meiner Eltern. Es ist das Haus meiner Jugend.  Es ist das Haus vom Batschewitzki. Aber vor allem ist es das Haus meiner Kindheit. Es ist das Haus, das das kleine „Stümmelchen“ als sicheren Hafen empfand.
Es ist das Haus, in dem Stephie, Matthias und ich uns beim „Elfer raus“ spielen mit meinen Großeltern königlich amüsierten. Es ist das Haus, in dem ich bei jedem Essen als jüngste neben Opa auf der alten eingesessenen Couch in der Küche saß und nur mit drei Kissen unter mir über den Tisch gucken konnte. Es ist das Haus, in dem es vor jedem Essen eine wärmende Suppe gab.

Es ist das Haus, in dem ich meine schönsten Kindheitserinnerungen aufbewahre.

Es ist das Haus, das früher einen Nutzgarten mit Obst-und Nussbäumen hatte. Es ist das Haus mit genau diesem Garten, in dem ich mit meiner roten Gießkanne quietschvergnügt über die Beete rannte und tonnenweise Brombeeren verschlang. Es ist das Haus mit der Holzschaukel, die mein Opa mir, immer wenn ich es wünschte, an der dunkelgrünen Halterung befestigte.

Es ist das Haus, in dem ich Samstags mit meinen Großeltern und einer für mich riesig wirkenden Schale Chips auf meinen Beinen „Die Mädels vom Immenhof“ gucken durfte. Es ist das Haus, in dem meine Oma mich abends in den Schlaf sang.

Es ist das Haus, in dem ich lernte, wie man Spritzgebäck durch den Wolf dreht. Es ist das Haus, in dem ich die noch warmen Kekse nach dem Backen jedes Mal viel zu lange in den heißen Kakao tunkte.

Es ist das Haus, in dem meine Cousine und ich die Sommerferien verbrachten und unsere Leidenschaft fürs Schreiben entdeckten. Es ist das Haus, in dem wir uns nachts leise glucksend über die knarzenden Holztreppen herunter in die Küche schlichen und kulinarische Mitternachtssessions mit Toast, Mortadella und Nutella zelebrierten.

Es ist das HdZ – Haus des Zwangs – wie wir drei Enkel es oft halb im Scherz, halb im Ernst, nannten als wir jünger waren. Es ist das Haus, in dem es gefühlte 20 Schlösser vor jeder Kellertür gab und in dem wir Kinder lernten, dass ein Wasserhahn erst dann auch wirklich nicht mehr tropfte, wenn mein Opa die hypnotischen Worte „zu, zu, zu, aus, aus, aus“ gesprochen hatte. Es ist das Haus, in dem wir uns alle Jahre später dabei ertappten, wie wir diese Formel  vor uns hin murmelten.

Es ist das Haus, in dem nachts immer das Flurlicht brannte. Es ist das Haus mit dem schweren dunklen Vorhang vor der Haustür.

Es ist das Haus, in das meine Eltern und ich nach meiner Konfirmation komplett einzogen. Es ist das Haus, in dem mir Mama und Papa mein eigenes riesiges Reich auf dem Dachboden zauberten. Es ist das Haus mit nur zwei Badezimmern.

Es ist das Haus, in dem mein Opa zum Pflegefall wurde.

Es ist das Haus, in dem ich viele feucht fröhliche und lustige Mädchenabende mit meinen Schulfreundinnen erlebte. Es ist das Haus, in das Hasse einzog, jedes Mal, wenn meine Eltern in den Urlaub flogen. Es ist das Haus, in dem dann zwei Wochen lang Jon Bon Jovi und gibbelndes Lachen 24/7 durch die Räume schallte.

Es ist das Haus, in dem Leika es mit unermüdlicher Hartnäckigkeit doch noch schaffte, dass meine Oma sie letztendlich ins Herz schloss. Es ist das Haus, in dem wir so manche ausschweifende Familienfeier mit literweise Schlammbowle, Tische rücken und lauter Musik zelebrierten.

Es ist das Haus, in dessen Garten im Sommer traditionell meine Geburtstage gefeiert wurden und in dem es bei gutem Wetter immer eine leckere gegrillte Wurst gibt. Es ist das Haus mit dem größten Holzkohlegrill, den ich kenne. Es ist das Haus, in dem sich alle pünktlich Samstag um 15.30 vor dem Fernseher versammeln, um den BvB anzufeuern.

Es ist das Haus, in dem ich Salina kennennlernte.

Es ist das Haus,  in dem meine geliebte Oma Jahre später starb.

Es ist das Haus, das mein Zuhause war. Es  ist das Haus, von dem ich eigentlich bislang nie gedacht hätte, emotional so sehr mit ihm verbandelt zu sein. Es ist das Haus, in dem mal fünf Menschen plus eine Schäferhündin lebten. Es ist das Haus, das für meine Eltern allein viel zu groß ist. Es ist das Haus, das nun verkauft wird. Es ist das Haus, das bald mit viel Glück ein sicherer Hafen für ein anderes kleines Mädchen sein wird.