Herzfunkeln – die Sache mit der Liebe

Hamburger Hafen bei Nacht "Grosse Freiheit"

Ich atme ein, ich atme aus.

Blicke hoch in den sternenklaren Nachthimmel über St. Pauli, stehe dort am Hafen, die vertrauten Lichter und Geräusche der Stadt hüllen mich ein.

Die Venus küsst den Mond.

Herzbeben. Vollkommene Stille aussen wie innen. Nur dieser eine Moment, jetzt, hier.

Nach einer Weile spüre ich, wie die Welt beginnt, sich weiterzudrehen, ganz langsam, um sich, um mich…

Und ich spüre noch so viel mehr… Ich schliesse die Augen, lasse mich treiben, gedankenlos, gedankenvoll.

Ich will nichts definieren, keine Begrifflichkeiten finden müssen, für etwas, das sich sowieso nicht einfangen und ausdrücken lässt.

Die vergangenen Monate rauschen an mir vorbei: Im freien Fall – zum allerersten Mal im Leben ohne Rettungsschirm – nach unten, Bruchlandung, Regeneration, Flügel putzen, langsam zurück nach oben.

Anders, beobachtender, ruhiger, klarer, entspannter. Wissender.

Erst, wenn man ganz bei sich ist, kann man auch ganz bei jemand anderem sein.

Ich bin ganz bei mir, vielleicht bin ich das sogar zum ersten Mal in meinem Leben.

Ich atme ein, ich atme aus.

Mir fallen die alles entscheidenden Worte ein, Worte aus einem anderen Leben, so vertraut, so wahr: Alles bleibt anders.

Ich atme ein, ich atme aus, muss beinah über mich selbst lachen.

Nie hätte ich es für möglich gehalten. Nun ist es doch passiert: Mein Herz, es tanzt nicht mehr.

Es summt vibrierend.

Mir gefällt, was ich höre, was ich fühle.

Die Musik ist aus, ist immer noch da, anders jetzt. Nicht so laut, alles andere vernichtend und stürmisch. Dafür leise, harmonisch, hingebungsvoll, sanft.

Mir gefällt der Takt, das Tempo, die Melodie.

Mein Herz tanzt nicht mehr.

Mein Herz funkelt. Und ich – ich sehe ihm immer noch staunend dabei zu.

Mir gefällt, was ich sehe.

Ich lasse mich treiben, verführen von diesem neuen Gefühl, unausgesprochen ausgesprochen.

Was sein wird, ist gerade nicht wichtig, wichtig ist nur das Hier und Jetzt, wichtig ist der Augenblick.

Und dann muss ich doch noch lachen, denn plötzlich fallen sie mir wieder ein, die klugen Worte der überaus weisen Mrs. A, die mich immer wieder gern kräftig und nie müde werdend schüttelt bis alle verwirrten Gedanken eingefangen und verbannt sind, immer dann, wenn ich mich, was die Sache mit der Liebe angeht, wieder einmal herausragend und erfolgreich ohne es zu merken wie ein totaler Amateur aufführe.

Gelernt ist gelernt, schätze ich mal. Aber zum Glück ist man ja nie zu alt, um sich weiterzubilden.

Und in Gedanken stimme ich ihr ganz und gar zu: Für mehr Mut zu romantischen Beziehungen! Für mehr Hier und Jetzt. Für mehr Ich-Sein ohne Sicherheitsnetz. Für mehr Herzfunkeln…