Generationen: Perspektivwechsel

Zug Einfahrt

Berlin – Hamburg. In einem Zug, der locker und geschmeidig zu den Hochzeiten der Deutschen Reichsbahn en vogue war, sitze ich im 6er Abteil ohne Licht, dafür mit Gardinen, die das Herz meiner Omi hatten höher hüpfen lassen, mit zwei älteren Berliner Originalen.

Status Quo: Erstmal selbstgeschmierte Stullen, die den den Namen BUTTERbrot eindeutig zu recht tragen dürfen, zwei Thermoskannen und die aktuelle Ausgabe der Funkuhr (zur Erinnerung: Das ist DIE Zeitschrift mit lustig-bunten Rätseln, ein wenig Klatsch und Tratsch und  Kreuzworträtseln, die unsere Großeltern standardmäßig auf der Kaffeetafel liegen hatten) auf die noch freien Sitze und die Klapptische verteilen.

Während der eine mucksig über die klimatischen Bedingungen – „Rudi, det is VIEL zu warm hia, wa! Und globste nich, heut morgen wars zu kalt, aber da machste nix,“ und mangelndem Komfort – „die Sitze kannste noch nich ma verstellen“ – vor sich hin nölt, guckt der andere aus dem Abteil in den Gang auf einen vollkommen gewöhnlich aussehenden Passagier in meinem Alter, der sich lässig aus dem Fenster lehnt und bemerkt ungerührt „jibs ja nich, kiek ma Kalle, da is wieda so’n uniformierter Hipsta.“

Kalle gluckst belustigt, blickt dann mich an und fragt unvermittelt, sein Brot vertilgend: „Vaklicka mir ma, wieso globt ihr in eurer Jeneration eigentlich alle, ihr seid so wahnsinnig individuell mit euren überdimensionierten Hornbrillen, den ollen Strickschals, Vollbärten und dem rammdösichen Zopp aufm Deez?“

Touché.