Heilandt Kaffeemanufaktur

Kölner Röstkultur

Zwei Kaffee-Süchtige, ein Auto, eine Mission: Nach ausführlicher Recherche in den wilden Weiten der virtuellen Welt rein in das mobile Gefährt, Motor an und los gehts raus aus der verregneten grauen Ruhrstadt rein ins noch grauere und verregnetere Köln. Das Ziel: Kaffee in reinster Höchstkultur in der Heilandt Kaffeemanufaktur genießen.

Soweit die Theorie, doch was passiert, wenn man nach über einer Stunde rasanter Fahrt und mehreren wagemutigen Überholmanövern in Aussicht auf eine Koffeinspritze zwar vor dem sehr schön anzusehenden Cafe steht, aber außer einem verheißungsvollen Blick ins Innere der Rösterei, nur panisch an einer fest verschlossenen Tür drückt und zieht und das obwohl auf dem Öffnungszeitenschild klar und deutlich „Sonntags ab 10 Uhr geöffnet“ steht!?

Heilandt Kaffeerösterei in Köln

Dann freut man sich schon sehr, wenn die entspannte Seele der Rösterei um die Ecke trudelt und die goldenen Schlüssel zum Reich des Genusses in ihren Händen hält.

Getreu seinem Motto den Menschen eine gehörige Portion Geschmacksverstärkung zu bescheren, schließt uns Moritz Eylandt, indirekter Namensgeber für die Manufaktur, die Pforten zum Kaffeehimmel auf und erklärt uns auch gleich sympathische Kölsche Lebensart: „Ja, da steht zwar noch 10 Uhr als Öffnungszeit an der Tür, aber eigentlich gilt 12 Uhr als Richtzeit. Aber ihr könnt gern schon mit reinkommen. Ich mach euch direkt zwei Cappuccini.“

Gesagt, getan. Klatschnass vom triefenden Regen sinken wir in bequeme 70er Jahre Stühle und atmen den verheißungsvollen Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen ein.

Kafferösterei Heilandt in Köln

Man könnte nun natürlich fragen, wieso fahren die beiden Deppen Sonntags morgens quer durchs Bundesland, um ein Café zu besuchen, das noch nicht einmal Frühstück anbietet?

Denn ja, ihr habt richtig gehört, das Heilandt ist kein Brunch-Bagel-Wunderland, in dem es neben einem reichhaltigem Angebot an Frühstücksvariationen auch Kaffee gibt.

Das Heilandt bietet ausschließlich Kaffeevariationen auf höchsten Niveau. Kein überbackenes Baguette, das derben Käseduft verströmt, soll den reinen Geruch von frisch gerösteten Bohnen verfälschen.

„Hier soll es einzig und allein nach Kaffee duften. Wir konzentrieren und spezialisieren uns damit auf das, was wir können-Kaffee“, strahlt Moritz überzeugt.

Selbstbewusste Einstellung und ja, die könnte man hinterfragen. Tut man aber nicht, sondern freut sich vielmehr auf den ein oder anderen Cappuccino der Extraklasse, der von einem erfahrenen Barista zubereitet wird.

Kaffeerösterei Heilandt in Köln

Denn Cafés gibt es augenscheinlich so viele wie feinen kilometerlangen Sandstrand am Atlantik.

Doch wo finde ich richtig herrlichen Kaffee, der meine Geschmackssinne überrascht und nicht mit einer bauschaumartigen Milchmasse vom unmotivierten Aushilfskellner in einem schlapprigen Pappbecher geliefert wird und mich im wahrsten Sinn des Wortes bitter enttäuscht?

Ich bin kein Fan von überteuerten Kaffee-Ketten, in denen ich meinen viel zu heißen Cappuccino in einen übergroßen Zuckertopf fallen lassen muss, um ihn einigermaßen trinkbar zu machen.

Wir wissen spätestens seit Starbucks, dass nicht automatisch dort, wo uns Kaffee versprochen wird, auch Kaffee drin steckt.

Einen Espresso, der eine karamellfarbene Crema aufweist, sucht man oftmals vergebens. Es ist ein bisschen so wie mit der Fotografie seit Einführung des digitalen Zeitalters.

Jeder meint, nur weil er eine Knipse mit Speicherkarte bedienen kann, avanciere er gleich zum neuen Helmut Newton.

Die Fotografie jedoch ist genau wie die Kunst des Kaffeeröstens und Zubereitens ein Handwerk und es braucht Experten mit viel Liebe zum Detail und Talent, eine Espressomaschine zu bedienen.

Kaffeerösterei Heilandt in Köln

Das Heilandt jedoch erweist sich als ein Juwel, das seinem Namen alle Ehre macht. Man nimmt sich viel Zeit und Muße. Die Bohnen aus Mittel- und Südamerika, Indonesien, Afrika und Indien werden anders als industrielle Röstungen schonend bei einer niedrigen Temperatur von circa 200 Grad Celsius anstelle von normalen 600 bis 700 Grad Celsius um die 20 Minuten lang geröstet. So entfalten die Sorten ein individuelles Aroma.

Kaffeerösterei Heilandt in Köln

Einen kleinen Kompromiss in Sachen kulinarisches Beiwerk macht das Heilandt dann aber doch: Es duftet nämlich nach frischen Croissants aus dem Ofen und außerdem stehen ausgewählte Kuchen in der Auslage, die die Lust auf Süßes stillen.

Fazit: Zwei Kaffee-Süchtige, die quer durch ein verregnetes NRW düsen, um den Sonntag mit besten Kaffeegenuss einzuleiten und die trist-trübe Herbststimmung zu vertreiben, dürfen sich über eine geglückte Mission freuen. So ein kleiner Sonntagsspazierausflug hebt nicht nur die Laune, sondern belebt die Sinne.

Für alle Kaffee-Verrückten:
Heilandt Kaffeemanufaktur im Belgischen Viertel
Bismarckstrasse 41
50672 Köln
http://heilandt.de/

1 Kommentar zu Heilandt Kaffeemanufaktur

  1. Für den Bericht müsstest du mindestensein Jahr lang Freikaffee bekommen! 🙂

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Advent, Advent, eine heiße Schokolade brennt.. : cococucina

Kommentare sind deaktiviert.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu. Datenschutzerklärung